Was bedeutet es wirklich am Arbeitsplatz auf sich zu achten und wie schaffst du es dies nachhaltig zu tun?

Ich habe lange Jahre im Corporate Sektor der Software Industrie gearbeitet und weiß wie schwierig es sein kann, diese positive Nachhaltigkeit in aller Regelmäßigkeit, die wir brauchen, in den Arbeitsalltag einzubauen. Oftmals kommen uns Stress, Verpflichtungen und das Gefühl einfach nicht mehr zu schaffen zu können dazwischen und das erste, was wir von der Liste streichen ist das, was wir für uns tun. Die Zeit, die wir nutzen, um uns Dingen und Menschen zu widmen, die unsere Batterien aufladen, uns neue Energie geben und es uns ermöglichen im Alltag und besonders auf der Arbeit zu funktionieren. Und, noch viel wichtiger, mittel- und langfristig auch gesund zu bleiben! Auf sich selbst zu achten sollte kein Luxus, sondern Teil deines Job sein! Und wenn du diese Hürde gemeistert hast und auf einmal nicht nur mehr Energie hast, dich aber auch leichter fühlst, macht die Arbeit gleich viel mehr Spaß und du bist glücklicher an deinem Arbeitsplatz! Zugrunde liegt, dass du eine Beziehung und Verbindung zu dir selbst hast. Das bedeutet, dass du als Teil deines Jobs weißt, was du brauchst, um konstruktiv, effektiv, aber vor allem auch authentisch arbeiten zu können. Das erste, was dir sicherlich in den Kopf kommt, wenn es darum geht auf dich selbst zu achten: “Dafür habe ich keine Zeit!” So stehen wir vor einem großen Berg, für den wir Zeit und Energie aufwenden müssten, um ihn zu bewältigen, die wir schlicht und einfach nicht haben. Wir denken, dass Achtsamkeit nur in den privaten Teil unseres Lebens integriert werden kann.Aber tatsächlich geht es darum zu lernen, diese ganz natürlich sowohl in deinen Alltag, aber auch in dein Arbeitsumfeld zu integrieren. Wenn es darum geht gut zu sich selbst zu sein, auf sich zu achten und Achtsamkeit aktiv auszuüben, so sieht das für jeden Menschen anders aus! Genauso wie das Glücklichsein etwas anderes für jeden Menschen bedeutet, so geben uns auch andere Dinge Energie oder lassen uns zur Ruhe kommen. Daher ist es wichtig, dass du für dich findest, was funktioniert. Hier sind einige Beispiele aus meinem Leben, Dinge, die ich nutze, um mehr Achtsamkeit in meinen Arbeitsalltag zu integrieren. Vielleicht findest du darunter die ein oder andere Inspiration!

  1. Den Perfektionismus lassen wir heute mal zu Hause Ich bin Mrs. Perfect, zumindest war ich es, als ich nach meinem Studium in die Arbeitswelt eingestiegen bin. Verbunden mit dem höchsten Anspruch an mich selbst, aber auch an meine Umgebung, habe ich lange Stunden auf der Arbeit verbracht und bin immer wieder auf’s Neue enttäuscht worden. Denn ich musste lernen, dass nicht nur mein Weg der richtige ist, es aber viele verschiedene, absolut valide Wege gibt, zu einer Lösung zu kommen. Und dafür muss man auch nicht immer 150% geben. Nachdem ich das realisierte und mich nach und nach vom den Drang trennte (auch wenn ich noch heute manchmal wieder auf diesen alten Freund treffe), war ich wesentlich entspannter am Arbeitsplatz, hatte mehr Zeit, fühlte mich nicht immer so unter Druck gesetzt und erlaubte meinem Umfeld so zu sein wie es war ohne den ständigen Kritiker in mir zu hören.
  2. Schütze deine Zeit Während unseres Arbeitsalltags werden wir ständig von der Arbeit und unseren Prioritäten durch Kollegen und Vorgesetzte abgehalten, die unsere Zeit und Aufmerksamkeit benötigen. Aber in der heutigen Zeit sind das nicht nur die Menschen, sondern auch die Programme, wie Emails, der Kalender oder die ToDo Liste, die uns immer wieder unterbrechen. Daher ist es umso wichtiger, den Tag strukturiert zu starten und sich am Morgen, bevor es losgeht, 10-15 Minuten Zeit zu nehmen, um maximal Top 3 Prioritäten für den Tag festzulegen. Bevor du dann zu weiteren Anfragen an diesem Tag Ja sagst oder alle 5 Minuten deine Emails abrufst, wie du es vielleicht immer wieder gerne tust, denke darüber nach, was das für die Prioritäten des heutigen Tages bedeutet.
  3. Feiere dich selbst Kannst du dich daran erinnern, was du letzte Woche alles abgearbeitet und erreicht hast? Oftmals ist es doch so: wenn wir eine Sache endlich erledigt haben, machen wir gleich mit der nächsten weiter, weil wir unter Zeitdruck sind, zumindest meinen wir das. Wit halten nicht inne, um uns auch mal anzusehen, was wir eigentlich erreicht haben. Dabei ist es so wichtig genau das zu tun. Nicht nur für dich selbst, aber auch die Menschen in deiner Umgebung, die zu diesem Projekt beigetragen haben, ob Kollegen oder externe Partner oder gar Familie und Freunde, die einem in dieser stressigen Zeit den Rücken freigehalten haben. Also mach es zur Gewohnheit und nimm dir einmal im Monat oder mindestens einmal im Quartal die Zeit, um aufzuschreiben, was du alles erreicht hast, was gut gelaufen ist und was sich besonders gut angefühlt hat. Das hilft nicht nur bei der Motivation, es erinnert dich aber auch daran, warum du die Arbeit machst und was für einen Beitrag du jeden einzelnen Tag leistest. Und vergiss auch nicht den Menschen zu danken, die dich dabei unterstützen!
  4. Umgib dich mit den richtigen Menschen Wenn es um Achtsamkeit am Arbeitsplatz geht, sind Beziehungen besonders wichtig, Menschen, die sich unterstützen. Achte also darauf, wer dir in deinem Berufsumfeld Energie gibt und wer diese raubt. Und wenn du weißt, wer mehr nimmt, als gibt, zieh deine Grenzen und halte diese dann auch ein. Das muss nicht bedeuten, dass du diese Menschen gar nicht mehr zum Mittagessen siehst, aber vielleicht reicht es einmal im Monat. Investiere dagegen mehr Zeit in die Kollegen und Arbeitspartner, die dich inspirieren und unterstützen. Aber auch deine Beziehungen außerhalb der Arbeit sind unendlich wichtig, um glücklich und ausgeglichen am Arbeitsplatz zu sein. Achte darauf, dass du diese aufgrund vieler Stunden auf der Arbeit nicht vernachlässigst, denn hierbei handelt es sich doch um die wichtigsten Menschen in deinem Leben: deine Familie und Freunde. Also nutze die Pausen, die du dir im Arbeitsalltag gönnst, um dich bei diesen Menschen zu melden, rufe sie auf dem Heimweg an und nutze deine Freizeit, um Zeit mit ihnen zu verbringen.
  5. Aufräumen Dieses wunderbare Phänomen des Aufräumen und des einfacheren Lifestyles ist nicht nur wichtig wenn es um unsere Leben oder unsere zu Hause geht. Es kann sich auch am Arbeitsplatz sehr positiv auf die Produktivität auswirken! Also mach Platz in deinem Kopf indem du deinen Arbeitsbereich aufräumst und sauber hältst! Und wenn du das gemacht hast, mache diesen Arbeitsbereich dein! Stelle Bilder deiner Lieben auf, hänge Zitate auf, die dich auf der Arbeit inspirieren, um dich immer wieder daran zu erinnern, was dir in deinem Leben wichtig ist. Hilfreich ist das besonders, wenn der Tag mal nicht so gut läuft und diese Bilder dir dabei helfen, erneut Dankbarkeit zu empfinden. Dein Arbeitsplatz sollte eine Reflexion des Menschen sein, der du bist oder sein möchtest!
  6. Achte auf deine Energie Level Es ist wichtig immer wieder inne zu halten und zu prüfen, wie du dich fühlst und wie voll oder leer deine Batterien aktuell sind. Um diese unterhalb der Woche auf einem gesunden Level halten zu können, ist es unglaublich wichtig, genug Schlaf zu bekommen. Sobald ich 2 Nächte nur 6 Stunden Schlaf bekomme, bin ich an Tag 3 nicht mehr zu gebrauchen. 8 Stunden mögen für manche Menschen unrealistisch sein, aber das stimmt nicht. Auch ich bekomme mittlerweile 8 Stunden Schlaf und ich bin sehr dankbar für die Zeit der Regeneration und die Möglichkeit jeden Morgen erfrischt an die Arbeit zu gehen. Was darüber hinaus hilft, ist die Bewegung während des Alltags. Mache Meetings aus, die mit einem Spaziergang verbunden sind oder nutze regelmäßig die Mittagspause, um einmal um den Block zu laufen. Früher dachte ich immer, dass das verlorene Zeit ist, die ich dann nicht zum Arbeiten habe und war in Gedanken immer bei meinen ToDos. Heute sehe ich diese Zeit der Bewegung als Booster für meine Produktivität, um meine Aufgaben in noch kürzerer Zeit im Anschluss zu erledigen!
  7. Schlechte Tage wird es immer geben Und wenn du dennoch das Gefühl hast, dass du in stressigen Zeiten diese Verbindung zu dir selbst verlierst und du nicht mehr so auf dich achtest, du wieder in dem Hamsterrad alter negativer Gewohnheiten gefangen bist und der Burnout naht, dann ist das völlig normal! Wir sind keine Maschinen, wir sind nicht perfekt, wir sind Menschen. Wir haben Gefühle und genauso wie wir nicht immer glücklich sein können, wird es uns auch manchmal schwer fallen immer auf uns zu achten. Diese Momente sind wichtig, um zum einen zu verstehen, wie du dich nicht fühlen möchtest und was du in Zukunft tun kannst, um daran zu arbeiten, aber zum anderen auch, damit wir es schätzen können, wenn es mal wieder gut läuft! Diese mal schlechteren Zeiten erden uns und machen uns dankbar für das, was ist. Also nimm diese Tage ohne Wertung als solche an. Sieh sie aber nicht als verlorene Tage, aber als Tage, die dir dabei helfen herauszufinden, was du wirklich brauchst. Denn du bist es wert, dass auf dich geachtet wird! Übernimm nach solchen Tagen wieder das Steuer und lade deine Batterien auf. Eine Aktion, die sich egoistisch anfühlen mag, die aber nicht nur dir etwas bringt, aber auch deiner Umgebung! Du bist im Alltag ausgeglichener und aufmerksamer, kannst mehr für die Menschen da sein, die dir am Herzen liegen, erledigst deine Aufgaben auf der Arbeit schneller und hast mehr Freude daran.

Unsere Arbeitsalltag wird immer stressiger und lauter werden. Daher wird es immer wichtiger, auch am Arbeitsplatz auf sich zu achten. Indem du daran arbeitest, positiven Gewohnheiten in deinen Arbeitsalltag einzubinden, wirst du in den stressigen Zeiten immer wieder einen Weg zurück du deinem produktiven, authentischen und glücklichen Selbst haben!


Foto von Ylanite Koppens auf Pexels

Posted by:Nina Vossschulte