Es fehlt in der heutigen Zeit an sozialen Normen für den Umgang mit und das Zurechtfinden in der digitalen Welt.

Wann willst du erreichbar sein? Wann willst du es vielleicht nicht?

Genau aus diesem Grund ist Achtsamkeit ist zu einem populären Thema geworden. Denn wir möchten nicht immer erreichbar sein, möchten uns bewusst abkoppeln können. Wir möchten Zeiten zum Runterkommen und wir möchten tiefere Verbindungen mit den Menschen in unserem Leben. Das alles ist jedoch nicht möglich, wenn wir uns hauptsächlich in der Onlinewelt bewegen. Fachleute gehen davon aus, dass wir erst noch lernen müssen, mit der digitalen Welt umzugehen.

Warum das so wichtig ist und du deiner Familie und deinem Freundeskreis als Vorbild den bewussten Umgang mit dem Smartphone vorleben solltest:

  1. Kommunikation findet mit allen Sinnen statt. Wir brauchen Kommunikation, um einander zu verstehen. So verrät dir die Stimme deiner besten Freundin, ob es ihr wirklich so gut geht, wie sie sagt oder die Stirnfalte deines Partners, die immer nur dann auftaucht, wenn er nicht sicher ist, ob er eine gute Entscheidung getroffen hat. Solche Dinge nimmt man nur wahr, wenn man sich aufmerksam der Person zuwendet, mit der man gerade im Gespräch ist. Der Mensch ist nicht für das Multitasking geschaffen. Und wir wollen es auch nicht sein. Denn sonst würden uns diese Feinheiten in der Kommunikation entgehen.
  2. Eine echte Verbundenheit spüren wir selten durch What’s App, mobile Messenger, Textnachrichten. Verbundenheit erleben wir viel eher dann, wenn uns jemand wirklich zuhört, wir über die gleichen Dinge lachen oder etwas zusammen erleben.
  3. Wenn man sich ständig mit den Äußerungen anderer Leute beschäftigt, ist es schwer, sich auf die eigenen Gedanken zu konzentrieren. Inzwischen sind wir aber fast schon von der Meinung anderer abhängig und kämpfen um jedes Like auf sozialen Kanälen. Wir werden von den Geräten und dem Zugang zu Medien, den sie ermöglichen, geformt und fragen uns völlig zu Recht, ob sie wirklich so beherrschend sein dürfen.

Was meinst du, wie viel Zeit du tatsächlich online verbringst? Notiere für die nächste Woche stündlich, wie oft du auf dein Smartphone schaust und werte das am Ende der Woche einmal aus. Und nun denk doch einmal darüber nach, wie du diese Zeit auch anderweitig produktiv (oder auch weniger produktiv!) nutzen könntest. Hier ein wenig Inspiration für dich:

  • Musik hören
  • in Ruhe und ohne Unterbrechung einen Artikel lesen
  • abends gemütlich beisammen sitzen
  • ein Brettspiel aus dem Schrank holen
  • ohne Unterbrechungen gemeinsam eine Film ansehen
  • einen (Abend-)Spaziergang machen
  • mit deinem Haustier spielen und kuscheln
  • in aller Ruhe ein leckeres und gesundes Abendessen kochen
  • ein Buch aus dem Schrank nehmen und durchblättern
  • mit deiner (analogen) Kamera Fotos machen
  • ein (altes) Fotoalbum durchblättern
  • dich langweilen (und so auf neue Ideen kommen)
  • in Ruhe mit deiner Mutter oder einer guten Freundin telefonieren
  • alte Comics, die du zuhause rumliegen hast, noch mal lesen
  • ein leckeres Rezept heraussuchen und eine Liste für den nächsten Einkauf zusammenstellen

Was sind einige Dinge, die dir einfallen, wie du deine Offline Zeit nutzen könntest? Eine regelmäßige digital Abstinenz erlaubt es dir und deinem Geist Ruhe zu finden und sowohl erfrischt und produktiv aber auch fokussierter nach der Offline Zeit durchzustarten. Und zum Abschluss noch einige Tipps, die dir dabei helfen, während deiner digitalen Abstinenz auch wirklich offline zu bleiben und dahingehend Gewohnheiten zu finden, die zu dir passen:

  1. Lass dein Smartphone auf der Arbeit doch einmal bewusst in der Tasche und beobachte, ob du weniger abgelenkt wirst, wenn du das Smartphone nicht immer vor Augen hast.
  2. Wo zu Hause könntest du das Smartphone aufbewahren, damit es auch wirklich außer Sichtweite ist?
  3. Das Schlafzimmer sollte eine Device freie Zone seine (Kindles ausgenommen). So vermeidest du, dass dein Smartphone das letzte ist, was du vor dem zu Bett gehen siehst und morgens das erste, das du nach dem Aufstehen zur Hand nimmst.
  4. Gibt es Augenblicke, z.B. wenn du an einer roten Ampel wartest, dein Gegenüber im Restaurant auf die Toilette geht, in welchen du automatisch zu deinem Smartphone greifst? Was checkst du dann meistens zuerst? Warum in solchen Momenten das Handy nicht mal bewusst in der Tasche lassen und deine Umgebung wahrnehmen?
  5. Beobachte, wie es sich anfühlt, eine Weile mal nicht erreichbar zu sein. Vielleicht kannst du das Smartphone beim nächsten Spaziergang oder Trip zum Supermarkt auch einfach mal zu Hause lassen? Solltest du es für deine Einkaufsliste oder Musik brauchen, dann kannst du es auch in den Flugmodus schalten, um einen Weile nicht erreichbar zu sein.
  6. Du kannst in einer WG oder bei Treffen Smartphone Regeln einführen. Alle legen zu einer vereinbarten Zeit (zum Abendessen, Spieleabend, etc.) das Handy weg, so dass sich alle auf den Moment fokussieren können. Wer als erstes gegen die Regel verstößt, muss als nächstes für alle kochen.
  7. Schlechte Gewohnheiten entwickeln wir leider schneller als die positiven. So haben wir doch alle den Hang dazu, sobald das Handy klingelt und einen Nachricht ankommt, es in die Hand zu nehmen. Stattdessen, zähle doch mal bis 10 bevor du darauf siehst und überlege gut, ob du das, was du gerade machst unterbrechen willst. Alternativ kannst du das Handy auch einfach in den Flugmodus stellen, wenn du mal nicht gestört oder abgelenkt werden möchtest. (So lässt es sich auch wesentlich fokussierter und produktiver arbeiten!)
  8. Nachdem du alles mal versucht hast, überlege, welche dieser Gewohnheiten du als passend für dich empfindest und versuche diese in kleinen Schritten in deinen Alltag zu integrieren.

Ich wünsche dir eine schöne Offline Zeit!


Foto von Burst auf Pexels

Posted by:Nina Vossschulte