„Die Augenblicke, in denen wir uns im selbst wiederfinden, sind selten, denn meistens leben wir auf der Außenseite unserer selbst, wir werden gelebt, anstatt selbst zu leben.“

Henri Bergson

Wenn es nach dem Psychotherapeut und Autor Matthias Wengenroth geht, dann ist es eine gesellschaftliche Forderung möglichst “positiv zu denken” und “glücklich zu sein”.
Aber tatsächlich hat Glücklichsein nichts damit zu tun. Bei einem glücklichen Leben geht es nicht darum, dass wir immer glücklich sind, sondern, dass wir in der Lage sich, die nicht so glücklichen Phasen in unserem Leben gut zu meistern und lernen, uns mit allen Emotionen anzunehmen. Denn gerade unsere negativen Gefühle sind ein Wegweiser und helfen uns dabei zu verstehen, wie ein glückliches Leben für uns aussieht.

„Glücklichsein bedeutet, all unsere Emotionen authentisch zu leben.“

Nina Vossschulte

Nun kennen wir das alle – von solchen Idealen möglichst immer glücklich zu sein geht ein enormer Druck aus. Dies führt dazu, dass wir negative Gefühle als bedrohlich empfinden. Sie werden zu etwas, was wir bewerten, loswerden und in Schach halten wollen. So versuchen sich viele Menschen in der heutigen Zeit permanent glücklich zu fühlen. Jedoch gelingt das nicht. Im Gegenteil.

Statistiken zeigen, dass etwa ein Drittel aller Menschen in Deutschland innerhalb von einem Jahr vorübergehend oder dauerhaft an einer psychischen Störung wie Ängsten oder depressiven Verstimmungen leidet. Und das ist allein der Tatsache geschuldet, dass so viele Menschen nicht dem Druck standhalten immer glücklich sein zu müssen. Der dauerhafte Versuch und die nicht-Annahme der negativen Gefühle macht sie kaputt.

Wir verbergen unseren Ärger, glauben wir sind es nicht wert, sind vorsichtig uns von Traurigkeit verletzlich machen zu lassen und versuchen Eifersucht zu verdrängen, indem wir uns ablenken. Doch solche eher unangenehmen Gefühle vermitteln nützliche Botschaften über uns selbst. Sie lassen uns wissen wer wir sind und was uns wichtig ist im Leben.

Wenn es nach dem Achtsamkeitstrainer Rob Brandsma geht, dann scheren sich unsere Emotionen nicht darum, was wir wollen. Gelegentliche überwältigen sie uns einfach, übernehmen die Kontrolle über unseren Körper und unsere Gedanken und halten uns in einem Teufelskreis aus Emotionen gefangen. Und oft ist es nicht nur die Stärke der Emotionen, die uns Angst macht, sondern auch das Gefühl der oben beschriebenen Verletzlichkeit, das damit einhergeht.
Wenn wir jedoch mutig genug sind, diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, dann können wir nicht nur ein Überkochen vermeiden, sondern wir gewähren anderen Menschen einen Einblick in unser tiefstes Inneres. Da wir aber leider verlernt haben, unseren Emotionen authentisch Ausdruck zu verleihen, wählen wir meist den “einfacheren” Weg: wir schieben die Gefühle weg. Aber ist es am Ende wirklich einfacher, immer mit einer Maske durchs Leben zu laufen?

Selbstverständlich ist absolut nichts dagegen einzuwenden, die eigenen Gefühle im Alltag eine Weile zur Seite zu schieben! Wir sind alle mal in Situationen, besonders im Berufsleben, die uns eine gewisse Professionalität abverlangen. Doch wenn das zu einem Automatismus wird, wird es zu etwas, dass uns immer mehr von uns selbst entfernt.

Wir sehen unsere negativen Gefühle als unser persönliches Monster, dass sich uns ab und an in den Weg stellt. Der Kampf gegen unser inneres Monster braucht viel Energie – verschwendete Energie, die uns meist an einer anderen Stelle fehlt.nAber warum sehen wir unsere negativen Gefühle eigentlich als ein Monster?
Sobald wir in der Lage sind, negative Gefühle nicht mehr als Feind, sondern als wegweisenden Freund zu sehen, dann hat man auf einmal wieder ganz freie Sicht und kann selbstbestimmt seine Lebensreise angehen. Denn am Ende erzählen sie uns doch auch viel über den Menschen, der wir sein wollen, aber auch über den Menschen, der wir nicht sein wollen. Negative Gefühle geben uns einen Hinweis darauf, wie wir uns wirklich mit etwas fühlen und erlauben es uns zwischen den Dingen zu trennen, die uns glücklich machen und denen, die mehr Energie verbrauchen als sie sollten.

Weder Sonnenschein noch ein Hagelsturm sind von Dauer. Sie kommen und gehen. Nach Autor Chip Conley können wir schnell lernen, das emotionale Wetter einfach durch uns hindurchziehen zu lassen. Es geht nicht darum, allem, was man spürt, auch Taten folgen zu lassen. Oft ist es nur wichtig die Gefühle zu registrieren und zu verstehen. Dass eine durchlebte Emotion immer auch Erleichterung mit sich bringt, ist sogar wissenschaftlich belegt.

„Hätten wir alles im Griff, käme das praktisch einer Abschaffung des Glücks gleich.“

Harald Martenstein

Also was spricht dagegen, sich auch ab uns zu einmal von seinen Emotionen „übermannen“ zu lassen? Wann hast du das letzte Mal in solchen Momenten inne gehalten, um zu verstehen, warum du gerade so auf etwas reagierst und vielleicht etwas Neues über dich gelernt? Lässt du in solchen Situationen Mitgefühl walten oder bewertest du dich und deine Gefühle

Schäme dich nicht für deine Gefühle! Sondern akzeptiere sie als ein Teil von dir. Habe den Mut sie authentisch zu leben – ohne deinem Umfeld zu schaden – und nimm sie als Wegweiser für deine glückliche Lebensreise wahr.

Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, wie schwierig das sein kann, da wir unserer Umgebung gerne ein bestimmtes Bild von uns vermitteln möchten. Doch das zieht Lebensenergie, die dir an andere Stelle fehlt, um die Entscheidungen zu treffen, die dich glücklich machen.

Wähle Freiheit! Ein authentisches Leben ist ein freies Leben, das dich glücklich macht.

Ich bin mit dir auf der gleichen Reise.


Foto von Brooke Lark auf Unsplash

Posted by:Nina Vossschulte